Wie werden sich die Energiekosten in Deutschland entwickeln? (aus ISBN 978-3451309267)

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Entscheidend für unsere Zukunft ist, ob wir annehmen können, dass der Rohstoffpreis stabil bleibt und wir mit 100 Milliarden Euro jährlich auskommen oder ob wir mit einer Steigerung rechnen müssen. Kurz nachdem Umweltminister Peter Altmaier im Frühjahr 2013 sein Papier zur „Strompreisbremse“ vorgelegt hatte, bekam ich Gelegenheit, ihn in seinem Büro im Umweltministerium zu sprechen. Er rechnete mir mit Stift und Block vor, wie er auf die eine Billion Euro kam, die er als Kosten der Energiewende bezifferte. Allerdings hatte er die Häusersanierung eingerechnet, um auf die schone Billion zu kommen. Sicherlich, der Gebäudebestand tragt zu einem Drittel zu unseren CO2-Emissionen bei – mit der EEG-Umlage hat das aber nichts zu tun. Dennoch: Mathematisch war bei seinem Szenario vieles korrekt.

Aber er rechnete mit gleichbleibenden Preisen bei den Erneuerbaren. Dabei ignoriert er aber die Innovationen und Lernkurven der letzten Jahre und die dadurch bereits erreichten Preissenkungen. Was aber noch schwerer wiegt: Altmaier geht von gleichbleibenden beziehungsweise leicht sinkenden Rohstoffpreisen aus. Ich denke, da irrt er gewaltig.

Angesichts der genannten globalen Parameter muss man auch in Deutschland von einer Steigerung ausgehen. Eine Steigerung um wenige Prozent führt zu steigenden Kosten für Importe von Energierohstoffen von heute 100 Milliarden Euro pro Jahr auf etwa 250 Milliarden innerhalb von zwei Jahrzehnten. Zum Vergleich: Der Bundeshaushalt 2013 mit allen seinen Ausgaben liegt bei 300 Milliarden Euro. Auch wenn man nur mit einer Verdopplung rechnet, müsste ein Durchschnittshaushalt für das Heizen mit Öl statt 2.000 Euro dann 4.000 Euro zahlen. Bei einer Preissteigerung um das Vierfache wäre Autofahren und Heizen für sehr viele Deutsche nicht mehr bezahlbar.

Diese Summen muss man in Relation setzen zu den 15 oder 20 Milliarden Euro für die EEG-Umlage, über die wir heute diskutieren. Speziell, wenn man bedenkt, dass die Gewinne der grossen Energiekonzerne in den letzten Jahren – in der Summe sprechen wir von weit über 100 Milliarden Euro – immer höher waren als die Kosten dieser Umlage. Und das selbst im Jahr 2012.

Wenn die Politik ehrliche CO2-Preise zulassen wurde, dann waren das jetzt schon 30 bis 70 Euro pro Tonne. Diese Kosten fallen heute und in Zukunft an – sie tauchen aber in der Stromrechnung nicht auf, sondern werden vom Staat und somit über Steuern finanziert. In 2012 wurden in Deutschland 317 Millionen Tonnen CO2 durch Kraftwerke in die Luft geblasen. Bei nur 30 Euro pro Tonne waren das knapp 10 Milliarden Euro pro Jahr. Ich sage das nur, um die Verhältnismässigkeit zu verdeutlichen.

Die Kosten für Atomstrom sind im Grunde nicht seriös kalkulierbar und absehbar: Die Endlagerung und den Abbau der Atomkraftwerke werden finanziell letztlich zum grossen Teil die Bürger tragen müssen. Und ein Super-Gau ist nicht mehr bezahlbar. Auch hier sind viele Milliarden Euro aufgelaufen, die die Burger bereits durch ihre Steuern bezahlt haben – und es werden noch viele Milliarden hinzukommen. Diese Kosten lassen sich auch nicht vollständig eliminieren, wenn wir sofort auf 100 Prozent Erneuerbare umsteigen. Aber wir können sie eingrenzen und den Super-Gau in Deutschland verhindern.

Dabei bezahlen wir im Moment schon zu viel für Rohstoffimporte und verlieren dadurch eigene Wertschöpfung. Wir subventionieren Energie für die Wirtschaft und zahlen als Volkswirtschaft trotzdem, denn die Allgemeinheit übernimmt den Preis ja.


Was folgt daraus, dass wir Energie mit fossilen Ressourcen gewinnen, die immer weniger und teurer werden, verstärkte Verteilungskriege erwarten lassen und durch ihre Auswirkungen auf das globale Klima die Zukunft der Gesellschaft zerstören?

Ist das „alternativlos“, wie es in der Politik heute gerne heisst, oder gibt es eine Lösung, uns von den volatilen, sehr wahrscheinlich steigenden Kosten zu befreien? Können wir trotzdem die Wirtschaft wettbewerbsfähig halten und gleichzeitig die Abhängigkeit der Burger von der Grossindustrie verringern?

Gibt es nicht doch eine Alternative?

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